AXEL RUDI PELL: Verrückte Hunde mit dreckigen Jobs Seit mehr als zwei Dekaden beglückt Axel Rudi Pell die Hardrock-Gemeinde nun mit Alben unter seinem eigenen Namen, ohne daß sich auf einer der beiden Seiten Ermüdungserscheinungen eingeschlichen hätten. Im Gegenteil: Mit ‘The Crest’ legt der Ruhrpottler nicht nur sein 14. Studioalbum, sondern gleichzeitig auch ein Karrierehighlight vor. Auf den ersten Blick mag sich zwar nicht viel verändert haben im Pellschen Universum, buddelt man jedoch etwas tiefer, stößt man zwangsläufig auf Dinge, die man in dieser Form in den letzten Jahren nicht (mehr) vom blonden Flitzefinger und seiner Gefolgschaft vorgesetzt bekam. Wir baten um eine Audienz, wurden eingelassen und prompt mit interessanten Innenansichten versorgt. Axel, es liegt in der Natur der Sache begründet, daß Musiker nach einem gerade absolvierten Studiotermin ihr aktuelles Werk als bislang bestes bezeichnen. Du hast dich mit derlei Aussagen hingegen stets zurückgehalten, bist aber nun dennoch voller Euphorie bezüglich ‘The Crest’. Was hebt den jüngsten ARP-Output deiner Meinung nach über die Vorgänger? “Die Tatsache, daß wir ausschließlich starke Songs aufgenommen haben und dabei keinerlei Kompromisse eingegangen sind”, strahlt der ehemalige STEELER-Gitarrist. “Als die Studiotür nach den Aufnahmen zu ‘Tales Of The Crown’, unserem letzten Album, ins Schloß fiel, war mir bereits klar, daß ich mit der Scheibe nicht hundertprozentig zufrieden bin. Gerade in Sachen Sound habe ich vor zwei Jahren zu viele Zugeständnisse an die Moderne gemacht, was mir doch schwer im Magen lag. Das haben wir diesmal wieder in den Griff bekommen und dazu die stärksten Tracks seit ewigen Zeiten ausgebrütet.” Hast du dir seinerzeit denn in deine Arbeit hineinreden lassen oder war das einfach ein Ausbruch aus dem musikalisch enggeschnürten Korsett, der auf deine eigene Kappe ging? “Nein, die damalige Ausrichtung hat mir keiner aufdiktiert. Ich gebe bekanntlich ohnehin nichts auf “verkaufsfördernde Tips”, was die Sache in diesem Fall aber nicht leichter machte. So mußte ich mir nämlich an die eigene Nase fassen und eingestehen, daß ich mich da etwas in die falsche Richtung bewegt hatte. Der Alleinschuldige war ich.” Du wirst hier und da mit der Aussage zitiert, die neue Scheibe gehe “back to the roots”. Keine Frage: Deine Ansicht, daß ‘The Crest’ ein bombiges Album geworden ist, kann man als Pell-Sympathisant problemlos unterschreiben, aber nach ‘Wild Obsession’ oder ‘Nasty Reputation’, also deinen Solowurzeln, klingt darauf wenig. “Stimmt. Ich meinte mit den Wurzeln auch vornehmlich die Anfänge der heutigen Besetzung, also Alben wie ‘Oceans Of Time’ oder ‘The Masquerade Ball’. Die Phase, als Johnny Gioeli zur Band stieß und das Ganze insgesamt stabilere Formen annahm.” Okay, das paßt! Hast du das Stück ‘Dark Waves Of The Sea (Oceans Of Time Pt. II: The Dark Side)’ unter diesem Aspekt verfaßt, quasi als Fortführungsverweis an diese Zeit? “Die Nummer entstand eher aus einem Zufall heraus. Meine Plattenfirma hätte es gerne gesehen, wenn wir die Platte ‘Oceans Of Time Pt. II’ genannt hätten. Das Album ist verkaufspolitisch ein Highlight im ARP-Backkatalog, und darum verstehe ich ein solches Verlangen von Business-Seite her auch. Allerdings mag ich solche Fortsetzungsgeschichten generell nicht, so daß das Thema schnell wieder vom Tisch war. Als ich dann jedoch die besagte Nummer in Arbeit hatte, die Riffs, die ersten Textfragmente, da stellte sich sehr schnell heraus, daß der Song komplett in dieser relevanten Tradition verankert ist. Daher die Namensgebung, mit der jetzt auch das Label sehr zufrieden ist, hahaha.” Peter Engelking Der
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